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Tatort Kaffeehaus

Als Experte für Zweisprachigkeit und Weltwirtschaft hab ich euch Folgendes zu sagen:

Josef Prousek war bekanntlich ein Verehrer des Komponisten Giuseppe Verdi. Bei der Benennung seines Betriebes musste sich der Unternehmensgründer zwischen den Verdi-Opern Aida und La traviata entscheiden. Ihr ahnt bereits, wie er sich entschieden hat? Na? Genau: Die berühmte Wiener Kaffeehaus- und Konditoreien-Kette heißt seit 1925 Aïda. Eine Erfolgsgeschichte in Zuckerl-Rosa!

Und dann das: Ein skrupelloses, abscheuliches Verbrechen! Begangen am hellichten Tag! In der Aïda.
Doch ohne Schuld: Aïda.
Tatort: Aïda-Filiale Wien IX, Währinger Straße 47.
Tatzeit: Gestern 10 Uhr Vormittag.
Verbrechen: Handy aus der Jacke gestohlen – mein Handy!
Objekt der verbrecherischen Begierde: BlackBerry – mein BlackBerry!
Genaue Objektbeschreibung: BlackBerry Modell Perl, schwarz, alt, liebgewonnen!
Täter: Der oder die Täter? Die Täterin oder die Täterinnen? Man weiß es nicht: Täter unbekannt!
Tat-Hergang: Hat sich wohl hinterrücks an die Jacke rangemacht, das mutmaßliche Diebsgesindel! Während der rechtmäßige Eigentümer von Handy und  Jacke sich allzu sehr ablenken ließ: Durch spanische Literatur, österreichische Qualitätszeitung und Aïda-Espresso.
Anzeige: Polizeilich. Danke Polizeiinspektion Boltzmanngasse!
Neue SIM-Karte: Danke Orange Shop Stephansplatz!
Ermittlungen: In alle Richtungen. International! Danke Polizeiinspektion Boltzmanngasse! Danke Interpol!

BlackBerry wird von einem kanadischen Unternehmen namens RIM hergestellt. Wirtschaftlich übrigens sehr erfolgreich! Das kann mich jetzt aber auch nur sehr bedingt trösten.

Wäre meine Tochter Emilia dabeigewesen, wär das wohl alles nicht passiert! Sie hätte die Täter energisch in die Flucht geschlagen mit lautem: „Tatü-Tata, die Feuerwehr ist da!“ oder mit „Waaaah, ich bin HelloKitty-Spiderman!“

Aber keine Angst: Wir lassen uns keinesfalls vom (organisierten?) Verbrechen den Spaß verderben! Emilia und ich gehen gleich morgen ein neues Handy kaufen. So unterstützen wir die Weltwirtschaft! Und dann gehen wir zur Aïda in der Währinger Straße. So unterstützen wir die Wiener Weltwirtschaft! Emilia trinkt dann bestimmt eine Heiße Schokolade und ich einen Espresso oder vielleicht auch einen Tee. Wenn wir wollen, bestellen wir uns sogar eine Sacher Torte. Schließlich ist Wochenende! Und unsere Jacken lassen wir nicht aus den Augen! (ezw)

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